Durch die Untersuchungen und Überlegungen, wie das System des Crusescanners arbeitet, bin ich auf interessante Ansätze gekommen.

Mein Hauptinteresse liegt zunächst darin den Prozess des Scanvorgangs darzustellen. Denn obwohl wir als Endresultat ein “Bild” sehen, ist die Entstehung eine Aufzeichnung eines Prozesses. Ein Bereich wird Zeile für Zeile erfasst, sodass unzählige Momente aufgenommen werden. Am Ende werden diese Momente zusammen in einem Bild gesetzt. Das Bild zeigt somit eine Chronologie einer Dauer, die auch in bildlichen Reihenfolge chronologisch ist. Somit kann man das Bild je nach Ausrichtung Zeile für Zeile lesen.
Aus dieser Grundidee heraus versuchte ich eine kontinuierliche Bewegung aufzunehmen. Wasser war ein sehr geeignetes Objekt. Färbt man dieses Wasser während des Scanvorgangs macht man zum einen die ständige Bewegung, als auch das klare Wasser selbst sichtbar. Somit erklärt sich auch der Bildaufbau dieses Bildes: Oben sind die Farbbehälter (rot, orange, weiß, schwarz) zu sehen, dann kommt die gefüllte Wasserwanne.

scanHat die Scanzeile die Farbbehälter und einen kleinen Bereich der Wasserwanne bereits erfasst, kann ich die Behälter nach und nach hineingeben. Denn der Scanner offeriert einen riesigen off-Bereich, in welchen man als Akteur (und für den Scanner unbemerkt) handeln kann.

Die Farben diffundieren im Wasser und dehnen sich aus. So färbt sich das klare Wasser Rot, dieses mischt sich mit Orange usw. Die Besonderheit liegt nun in der Bilderfassung durch den Scanner: Denn wenn anfangs das Wasser gerade rot gefärbt wird, ist der Rest des Wassers noch ungefärbt. Wenn hingegen die letzten Zeilen das dunkle Gemisch erfassen, ist das gesamte Wasser so gefärbt. Im Bild sehen wir aber immer nur den aktuellen Zustand der jeweiligen Zeile. Somit wird der Prozess der Bildentstehung in Echtzeit aufgenommen, aber als Reproduktion wiedergegeben.

Weitere Details, aber sehr wichtige, sind die digitalen Artefakte. Diese entstehen durch die sich bewegende Wasseroberfläche. Der Scanner erfasst diese Bewegung durch eine Art Farbkanalverschiebung. Die RGB-Sensoren sind physikalisch nicht auf der identischen Position, somit nehmen sie das Motiv durch unterschiedliche Perspektiven auf. Das Bildergebnis sind die farblichen Verschiebungen und deren Farbvermischungen. Denn simpel formuliert: Mit roter, oranger, weißer und schwarzer Farbe kann man solche Farben nicht analog mischen. Somit sind es digitale Artefakte:
„Analog/Digital Diffusion (motion-scan)“
mattes Papier, Inkjetprint auf Aludibond | 0,70×1,04m

Zu sehen auf der „20. Auswahlausstellung der Künstlerförderung des Cusanuswerks 2011“ in der Galerie am Volkspark in Halle/Saale

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lup